Belsåstornet - Ein Wachturm mitten im Wald
Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie ich zum ersten Mal von diesem merkwürdigen Turm hörte, der da im schwedischen Hälsingland auf einem Hügel names Belsåsen stehen soll. Als ich dann aber mal wieder nach interessanten Geocaches Ausschau hielt, entdeckte ich freudestrahlend, dass dort ein Cache liegen soll! Das Alter dieses Stahlturmes mitten im Wald war nicht festzustellen, merkwürdig ist aber auch, dass er selbst der Lokalbevölkerung kaum bekannt ist. Steht man unten im Tal sieht man ihn kaum, oben von der Turmplattform ist die Aussicht aber gigantisch! Der Blick geht viele Kilometer weit über unendliche Nadelwälder, 360° rundum sind gerade mal zwei Siedlungen und wenige einzelne Häuschen zu sehen. Meine Neugier war geweckt!
Hier liegt der Turm: N 61° 13.289 E 016° 17.035
Von Stockholm wären das auf direktem Wege wären das etwa 278 km, davon aber ein Grossteil auf autobahnähnlichen Schnellstrassen. Ich wählte natürlich die Schottervariante.

Ein erster Versuch den Turm zu erreichen scheiterte Ostern 2009 an einem halben Meter Schnee im Wald. Ich kam deshalb später im Sommer nochmal zurück. Diesmal erreichte ich auch den Turm. Da kam die Idee auf, man könnte da oben wunderbar übernachten! Und so reiften die Pläne zu `ner netten Dreitagestour.
Tag 1 ging von Stockholm durch Uppland bis in die südlich von Gävle, wo ich mir zuvor per Google Maps und Google Earth ein nettes Plätzchen am Strande eines Naturreservates suchte (N60° 36,207' E17° 59472').

Nachdem ich mir im letzten Licht des Tages eine Mahlzeit auf dem Benzinkocher zubereitete, färbte sich dann der Himmel und präsentierte mir dieses phantastische Farbenspiel:

Am nächsten Tag noch mehr Schotter. Hier in Hälsingland kann man stundenlang in den Wäldern unterwegs sein, ohne auf ein anderes Fahrzeug zu treffen. Trotzdem sollte man nicht allzu übermütig sein, denn Gegenverkehr kommt bestimmt immer genau dann, wenn man ihn am wenigsten erwartet - und dann kann's brenzlig werden. Andererseits kommt hier schon richtig Nordland-Feeling auf.

Für die letzte Etappe zum Turm, die steil bergauf geht, hatte ich einen grossen Treckingrucksack dabei. Also wieder alles umpacken und dann - diesmal ohne die nervigen Mücken - im Schweisse des Angesichts bergauf, bis man schliesslich den Turm sieht. Ja, da oben drauf steht wirklich ein "Schwedenhäuschen" in Falunrot mit weissen Kanten - perfekt zum Übernachten!

Den Abend verbrachte ich dann mit Essen (und einem Gläschen Wein), Lesen und der tollen Aussicht. Bei gutem Wetter geht der Blick sicher 50 Kilometer weit über die Wälder Hälsinglands. Am Horizont zeichnet sich als einzige sichtbare Ortschaft Bolnäs ab. Unten im Tal einige rote Häuschen, aber sonst keine Zeichen der Zivilisation. Sehr zu meiner Überraschung tauchten noch zwei weitere Geocacher auf, die sich das GC Belsåstornet (GCQP92) sichern wollten. Allerdings war einer der beiden nicht ganz schwindelfrei, er wagte nicht den Aufstieg über die schon sehr "luftige" Treppe.

Die Temperaturen jetzt im Herbst waren noch immer angenehm, zumindest tagsüber. Für die Nacht hatte ich dann schon den warmen Dreijahreszeitenschlafsack dabei. Durchaus merkbar waren die Vibrationen des Turms aufgrund des Winds, der während der Nacht aufkam, aber keinesfalls beunruhigend heftig. Am nächsten Morgen war ich bereits kurz vor Sonnenaufgang wach und so konnte ich mit einer heissen Tasse Kaffe das Farbenspiel des Sonnenaufgangs beobachten.

Für den Rückweg wählte ich dann zunächst die gleichen Schotterstrassen, dann aber um etwas schneller voran zu kommen doch etwas mehr Aspahltstrassen bis Uppsala.
Zusammenfassend eine herrliche Motorradtour mit interessantem Endpunkt, der allerding nur was für Schwindelfreie ist!
GPS Track der Tour im Tab "Downloads"!